03. Juni 2026
Bei Anruf Blutkonserve
Ellen Fischer und Heike Kaps sind in der Immunhämatologie tätig.
Jetzt muss es ganz schnell gehen. Keine Zeit für viele Worte. Mit dem Telefon am Ohr geht Ellen Fischer (auf dem Foto links) schnell in den Kühlraum, in dem die Blutkonserven gelagert sind. Der OP hat sich gemeldet. Für einen Patienten werden dringend Blutkonserven gebraucht. Ellen Fischer erstellt schnell einen Lieferschein und gibt die Konserven in der Labor-EDV aus. Dann ab damit in eine Styroporbox und den Hol- und Bringedienst anrufen, damit der Transport gleich starten kann.
„Wir sind immer für den Patienten da“, sagt Ellen Fischer. „Wir retten Menschenleben – das macht unseren Beruf so interessant.“ Ellen Fischer ist wie ihre Kollegin Heike Kaps Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin. Beide sind im Labor in der Immunhämatologie beschäftigt. „Manchmal ist es ganz schön chaotisch“, erzählt Heike Kaps. „Aber wir haben eine gewisse Routine und die Arbeit macht Spaß.“
Ihre Aufgabe ist es zum Beispiel, von Blutproben der Patienten die Blutgruppen zu bestimmen. Ein Automat nimmt ihnen dabei einiges an Arbeit ab. Aber bei den Blutproben von Kindern mit nur sehr geringen Flüssigkeitsmengen ist Handarbeit gefragt, wie früher. Die beiden MTLAs und ihre Kollegen kümmern sich auch um die Kreuzproben, mit denen die Verträglichkeit von Spender- und Patientenblut getestet wird. Etwa eine Stunde dauert das Prozedere. Ist die Zeit zu knapp, gibt es Konserven mit der Blutgruppe 0 Rh negativ. Sie ist für jeden Empfänger verträglich.
Seit rund vier Jahrzehnten arbeiten Heike Kaps und Ellen Fischer schon im Labor. Ihre Lehre haben sie Mitte der 80er abgeschlossen. „Wir haben in Potsdam gelernt“, sagt sich Heike Kaps. „Unser Internat war in einer alten Villa nicht weit weg von der Glienicker Brücke.“ Sie erinnert sich noch gut an ihren allerersten Tag im Internat. Ein Sonntagabend. Die Zimmertür öffnet sich – und in dem langen Raum stehen acht Betten nebeneinander… „Damals waren wir 16 – das erste Mal von zu Hause weg“, erzählt die 59-Jährige. „Die Zeiten waren manchmal schon schwierig, aber auch sehr schön – eine Erfahrung fürs Leben“, bestätigt Ellen Fischer.
Die 60-Jährige wünscht sich, dass ihr Beruf – der inzwischen Medizinische Technologin für Laboratoriumsanalytik heißt – etwas populärer wird. Denn „es ist ein sehr schöner Beruf“. Beide hoffen, dass die jungen Kollegen einiges von ihrem Wissen und den Erfahrungen übernehmen und auch der Ehrgeiz geweckt wird, aufgeschlossen zu sein für neue Dinge, zum Wohle des Patienten und als Unterstützung für die Ärzte. „Jeder Tag ist anders“, ergänzt Heike Kaps. Ein Anruf aus dem OP oder von Rettungsstelle genügt und es brennt die Luft.
Und manchmal melden sich die Mediziner, die so dringend das Blut angefordert haben, nach der OP noch mal und erzählen, dass es der Patient geschafft hat. Und sie sagen Danke für die Arbeit im Labor.