05. Dezember 2025
Das E-Bike ersetzt die Schwalbe
Andrea Schumacher ist fürs GZB als moderne „Schwester Agnes“ unterwegs.
Ältere Generationen kennen sie – die Schauspielerin Agnes Kraus als Schwester Agnes im gleichnamigen DEFA-Film. Herzige Krankenschwester mit dem losen Berliner Mundwerk. Unterwegs auf ihrer Schwalbe, kurierte sie einst Trunkenbolde, durchschaute Simulanten und besorgte sogar Wohnungen.
Andrea Schumacher ist nicht mit dem Moped unterwegs, sie fährt E-Bike. „Damit bin ich schneller als mit dem Auto und brauche keinen Parkplatz.“ Mit unerschütterlichem Sinn für Menschlichkeit ist auch sie Tag für Tag im Einsatz – fast wie einst die Schwester Agnes in dem alten DDR-Film. Ihre Wege führen nicht mehr über holprige Landstraßen, aber durch die Herausforderungen unserer Zeit: Hilflosigkeit, Einsamkeit, Armut. Sie hört zu, wenn andere keine Zeit haben, und hilft durch den „bürokratischen Dschungel“, an dem nicht wenige schlichtweg scheitern.
„Ich bin die Case-Managerin für das Gesundheitszentrum, also die Sozialarbeiterin hier“, sagt sie. Angestellt ist sie in der Rheumatologischen Praxis des GZB, arbeitet aber über Kooperationsverträge auch für Patienten anderer Praxen und die Recura GmbH MVZ „An der Havel“. Andrea Schumacher ist eigentlich studierte Veterinäringenieurin. „Nach der Wende wurde das leider nicht anerkannt“, erzählt die 64-Jährige. „Ich musste mich umorientieren.“ Krankenschwester hätte für sie gepasst. Später wurde das Projekt „Arztentlastende gemeindenahe E-Healthgestützte Systemintervention“ ins Leben gerufen. Die AgnES zwei eben. Andrea Schumacher wurde eine solche „agnes zwei – Fachkraft“ und hofft, dass sich ein Nachfolger für ihre eigene Stelle findet. „Es gibt wirklich viel zu tun.“
Viele kommen zu ihr in die Sprechstunde am Hauptbahnhof. „Es gibt Patienten, die reden nicht. Manchmal steht ein Besuch des Medizinischen Dienstes ins Haus oder ich muss mit Angehörigen sprechen“, sagt sie. „Dann mache ich Hausbesuche und mir selbst ein Bild der Lage.“ Andere Patienten erzählen dafür sehr lange und sind nur froh, dass ihnen jemand zuhört. Das Ergebnis sind in der Regel sinnvolle Anträge für unterschiedliche Sozialleistungen.