11. Februar 2026

Das Recht auf guten Schlaf

Die Schlafmedizin in der Kinderklinik hilft jungen Patienten, die keine Nachtruhe finden

Wenn Kinder schlecht schlafen, leidet nicht nur ihr Alltag, sondern oft das ganze Familienleben. In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Brandenburg an der Havel finden junge Patienten kompetente Hilfe: Die Abteilung für Kinderschlafmedizin geht den Ursachen für unruhige Nächte gezielt auf den Grund – mit moderner Diagnostik wie der Polysomnographie, interdisziplinärer medizinischer Fachkompetenz und viel Einfühlungsvermögen.

In der spezialisierten Kinderschlaf-Sprechstunde wird die Expertise gebündelt, um Schlafstörungen umfassend zu diagnostizieren und individuell zu behandeln – von der ersten Anamnese bis zur differenzierten Auswertung im Schlaflabor.

„Medizin für Kinder erfordert nicht weniger, sondern mehr Genauigkeit - denn Kinder sind einzigartig in ihrer Entwicklung“, sagt Dr. med. Rita Makauskiene, Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Ihre Schlafprobleme haben oft andere Ursachen und brauchen spezifische Lösungen.“ Dr. Rita Makauskiene ist Fachärztin für Pädiatrie und Neonatologie und befindet sich derzeit in der Zusatzweiterbildung zur Schlafmedizinerin. Unterstützt wird die Ärztin von einem engagierten Team und dem Chefarzt der Kinderklinik, Dr. med. Hans Kössel. Er hat den Aufbau des Kinderschlaflabors frühzeitig angestoßen.

Die Bandbreite kindlicher Schlafstörungen ist groß. Ein- und Durchschlafprobleme, wie zum Beispiel häufiges nächtliches Aufwachen, Schnarchen, Atemaussetzer oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit, gehören zu den häufigsten Gründen für eine Vorstellung in der Klinik. Daneben spielen auch Albträume, Nachtschreck, Schlafwandeln oder Bewegungsstörungen wie das Restless-Legs-Syndrom – eine neurologische Störung, die einen Bewegungsdrang in den Beinen auslöst – eine Rolle. Die Symptome sind vielfältig. „Übermüdete Kinder wirken tagsüber nicht unbedingt erschöpft, sondern oft besonders unruhig, impulsiv und gereizt“, erklärt Dr. Rita Makauskiene. Daher muss beim Verdacht einer Konzentrationsstörung zunächst immer die Schlafqualität des Patienten untersucht werden.

Wenn nötig, wird der Schlaf der Kinder im Schlaflabor über Nacht untersucht, in der Regel über zwei Nächte, um verlässliche Daten zu gewinnen. Die Polysomnographie misst unter anderem Hirnströme, Augenbewegungen, Muskelaktivität, Herzfrequenz, Atmung und Schnarchen. Eine Videokamera dokumentiert nächtliche Bewegungen. „Wir erklären den Kindern vorher alles in altersgerechter Sprache. Wir umschreiben die Untersuchung zum Beispiel als kleine Übernachtungsparty – nur mit vielen Kabeln“, sagt Dr. Rita Makauskiene mit einem Schmunzeln. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft. Es ist wichtig, die Kinder gut auf sie vorzubereiten, denn die Übernachtung im Krankenhaus erfordert sowohl für die Eltern als auch für die jungen Patienten eine Umstellung. Und, ganz wichtig: Nicht jedes Kind muss ins Schlaflabor. Oft reichen die Gespräche, Schlafprotokolle und Empfehlungen zur Schlafhygiene.

Für eine besonders liebevolle Atmosphäre sorgt Krankenschwester Silke Schmunck. Sie betreut die Kinder im Schlaflabor, richtet die Zimmer kinderfreundlich ein und begleitet die Nächte mit viel Einfühlungsvermögen. Ein Elternteil darf im Zimmer mit dem Kind übernachten, um Sicherheit zu geben.

Je nach Ursache werden individuelle Behandlungsansätze entwickelt. Bei einer milden obstruktiven Schlafapnoe kann zum Beispiel ein bestimmtes Nasenspray helfen, bei ausgeprägten Formen hilft nur eine Mandeloperation. So ist die Zusammenarbeit mit den HNO-Ärzten beispielsweise enorm wichtig. Viele Schlafprobleme lassen sich jedoch durch einfach umzusetzende Maßnahmen wie feste Abendroutinen oder Bildschirmpausen vor dem Zubettgehen lindern.

„Oft reicht schon eine gute Beratung“, sagt Dr. Rita Makauskiene. „Wir erleben immer wieder, wie kleine Veränderungen große Wirkung erzielen.“ Die Eltern erhalten dabei nicht nur Tipps, sondern werden entlastet, etwa, wenn unrealistische Erwartungen wie das frühe Durchschlafen infrage gestellt werden. In der Sprechstunde helfen standardisierte Fragebögen und auch kreative Materialien wie ein „Schlafcomic“, mit dem Kinder ab dem Grundschulalter ihr eigenes Schlafverhalten spielerisch beschreiben können.

Die Kinderschlafmedizin in Brandenburg bietet ein interdisziplinäres Konzept: In enger Zusammenarbeit arbeiten Experten aus verschiedenen Fachbereichen – darunter Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Neurologie, Pneumologie und Kardiologie – zusammen, um Schlafstörungen bei Kindern in einer kindgerechten Umgebung umfassend zu betreuen.

„Unser Ziel ist es, Familien frühzeitig zu unterstützen und die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten“, betont Dr. Rita Makauskiene. Dank der Initiative von Chefarzt Dr. Hans Kössel wurde die Abteilung in den vergangenen Jahren aufgebaut und kontinuierlich erweitert. Heute ist sie eine wichtige Anlaufstelle für Familien aus der Region – mit einem Team, das mit Herz bei der Sache ist. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Fachgebiets wachse hierzulande stetig, erklärt Dr. Rita Makauskiene. Es gibt aber immer noch zu wenige Anlaufstellen für die Betroffenen und auch deutlich zu wenige Kinder-Schlaflabore. Schlaf ist kein Luxus. „Kinder haben ein Recht auf guten Schlaf“, sagt die Medizinerin. „Er ist entscheidend für ihre körperliche und seelische Entwicklung und für ein gesundes, glückliches Leben.“

 

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Oberärztin
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie, Schlafmedizin
Dr. med. Rita Makauskiene

Terminvereinbarung
(03381) 411800
kinderklinik@klinikum-brandenburg.de

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