07. August 2025
Der lange Weg in die Havelstadt
Seit dem 1. April verstärkt Joanna Zok das Team der Allgemeinmedizin des GZB am Hauptbahnhof.
Die aus Poznań in Polen stammende Ärztin ist am 22. März nach Brandenburg auf die Dominsel gezogen. „Ich fange hier ein neues Leben an“, sagt Joanna Zok. Der Weg der 47-Jährigen in die Havelstadt verlief keineswegs geradlinig. Schule, Abitur und Studium absolvierte sie in ihrer Heimatstadt und war mit allem 2004 fertig. Ein einjähriges Praktikum, das in Polen zu dieser Zeit eine Pflicht für alle Medizinstudierenden war, schloss sich an.
„Aber danach entschied ich mich erst mal für einen anderen Weg. Ich wollte schon in der Schule mit Menschen arbeiten, glaube, dass ich sehr empathisch bin. Ärztin zu sein war und ist mein Traum.“ Rein materielle Gründe sprachen zu dieser Zeit jedoch dagegen, im studierten Beruf zu arbeiten. „Berufsanfänger verdienten 1200 Złoty im Monat, was damals etwa 350 Euro entsprach. Das reichte zum Leben nicht hinten und nicht vorne“, erinnert sie sich. Deswegen habe sie ihr Berufsleben als Handelsvertreterin für Equipment für interventionelle Kardiologie begonnen. Ihre Chefs und auch die Kunden schätzten sie und ihr Fachwissen. „Von meinem ersten Gehalt konnte ich mir eine Echtledercouch leisten, die noch immer hält und sogar mit hierhergezogen ist.“ Sie war viel unterwegs, auch auf internationalen Konferenzen im Ausland, und genoss das unabhängige Leben. Zumindest die folgenden acht Jahre. Zunehmend aber spürte Joanna Zok, dass sie der Verkauf von Medizintechnik nicht länger ausfüllte und ihre beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten „am Ende der Fahnenstange“ angelangt waren. Sie suchte nach Möglichkeiten, wieder „in die echte Medizin“ einzusteigen, und fand sie als „Ärztin im Praktikum“ an Krankenhäusern und Polikliniken in Poznań. Ihre Facharztausbildung für Allgemeinmedizin beendete sie 2019. Drei Jahre später erhielt sie die Approbation und hatte sich in dieser Zeit schon in Richtung Deutschland orientiert. „Und zwar nach Guben. Mein damaliger Mann arbeitete auf der polnischen Seite der Stadt, ich auf der deutschen.“
Ihr Wunsch, nach Brandenburg an der Havel zu kommen, hängt mit einem sehr guten Freund zusammen. „Wir können zusammen wunderbar unseren Hobbys nachgehen – klettern im Hochgebirge und Wildvögel beobachten.“ Die Stadt mit ihrem vielen Wasser ringsherum sei wunderschön und im GZB fühle sie sich willkommen. „Mein Problem sind aktuell noch die Computerprogramme, in Guben nutzten wir andere.“ Und die noch fehlende Kenntnis der ortsansässigen Fachärzte, auf deren Unterstützung sie angewiesen sein wird.
Der Terminkalender von Joanna Zok ist noch nicht voll. „Ich freue mich auf meine Patienten. Vielleicht gibt es hier auch polnische Mitbürger, die einen Arzt suchen, der sie problemlos versteht.“ Da könne sie immer helfen.