14. April 2026

Ein Clip fürs Herz

Oberarzt Dr. med. Dominique Sebastian Petrus erklärt, wie eine Insuffizienz der Mitralklappe minimalinvasiv therapiert werden kann.

Der Hauptdarsteller ist gerade mal rund zehn Millimeter „groß“. Und im günstigsten Fall steht er nur 45 Minuten lang im Rampenlicht. In einer Dreiviertelstunde können die Kardiologen am Uniklinikum Brandenburg mithilfe modernster Technik und mit viel Fingerspitzengefühl einen Mitraclip im Herzen eines Patienten platzieren. Auf den Punkt genau und mit einem minimalinvasiven Eingriff. Dieser kleine Clip rettet Leben und bringt verlorene Lebensqualität wieder zurück. Er kann Menschen helfen, die an einer Mitralklappeninsuffizienz leiden.

Die Mitralklappe ist eine von vier Klappen in unserem Herzen. Sie ist der Pförtner auf dem Weg vom linken Vorhof zur linken Herzkammer. Im linken Vorhof landet das Blut, das gerade in der Lunge mit Sauerstoff angereichert wurde. Von dort strömt der Lebenssaft in die linke Herzkammer, um dann über die Hauptschlagader im Körper verteilt zu werden. Die Mitralklappe ist dabei das Ventil, das verhindert, dass Blut aus der großen Kammer wieder in den Vorhof und sogar in die Lunge zurückfließt. Dieser ungewollte Rückfluss tritt allerdings bei Patienten auf, die an einer Klappeninsuffizienz leiden. Bei ihnen schließen die beiden Segel, aus denen die Mitralklappe besteht, nicht mehr richtig. „Der Rückstau des Bluts kann die Lunge schädigen. Gleichzeitig wartet der Körper auf das dringend benötigte sauerstoffreiche Blut, das in die falsche Richtung geflossen ist“, erklärt Dr. med. Dominique Sebastian Petrus, Leitender Oberarzt der Internistischen Intensivmedizin in der Klinik für Kardiologie, Nephrologie & Pneumologie am Uniklinikum. Die Folgen für die Betroffenen: vermehrte Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe, Atemnot und eine geringere Leistungsfähigkeit.

Dr. Dominique Petrus ist Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Kardiologie und Nephrologie. Und er ist Experte für minimalinvasive Eingriffe an Herzklappen. Zu ihm kommen Patienten mit Klappeninsuffizienz, bei denen eine medikamentöse Therapie nicht mehr ausreicht. „Wir haben in der Kardiologie des Uniklinikums in den vergangenen Jahren zunehmend eine Expertise für minimalinvasive Eingriffe aufgebaut“, sagt der Mediziner. So habe es im Jahr 2024 am Uniklinikum 30 solcher Eingriffe an Herzklappen gegeben. Im Jahr 2025 ist deren Anzahl auf 40 gestiegen. „Bei der Hälfte davon ging es darum, Mitraclips zu setzen“, so Dr. Dominique Petrus. Die andere Hälfte betrifft Clips an der Trikuspidalklappe – dem Pendant auf der rechten Herzseite. Regelmäßig gibt es einen Austausch mit den Fachkollegen im Herzzentrum Bernau. Beide Kliniken gehören zum Universitätsklinikverbund der Medizinischen Hochschule Brandenburg MHB. In Herzteambesprechungen diskutieren die Experten das Vorgehen bei komplizierten Fällen.

Wie Dr. Dominique Petrus erklärt, nutzen die Mediziner bei der möglichst schonenden Operation einen Zugang über die Leistenvene des Patienten. Von dort aus wird ein Katheter bis zum Defekt in der Mitralklappe geführt. Der komplette Eingriff findet unter ständiger Ultraschallkontrolle statt. Die Live-Bilder zeigen den Operateuren an, wann sie die perfekte Stelle erreichet haben, um den Clip zu setzen. Er hält dann „wie eine Wäscheklammer“ die Klappensegel zusammen. Wenn das Herz pumpt und sich die Segel öffnen, um das Blut durchzulassen, entstehen durch den Clip zwei etwas kleinere Öffnungen – anstelle einer großen. Das hat aber keine negativen Auswirkungen auf die Pumpleistung. Die richtige Platzierung des Clips und die Funktion der Mitralklappe werden nicht nur während des Eingriffs überprüft. Ein bis zwei Tage nach der Operation erfolgt eine weitere Kontrolle per Ultraschall. Direkt nach der Mitraclip-OP werden die Patienten zunächst auf der internistischen Intensivstation versorgt, deren Leitender Oberarzt Dr. Dominique Petrus ist. Hier sind die Patienten unter ständiger Kontrolle.

Für Eingriffe wie diese wurde am Uniklinikum im vergangenen Jahr ein völlig neues Herzkatheterlabor gebaut und mit modernster – auch bildgebender – Technik ausgestattet. In den beiden bisher schon bestehenden Herzkatheterlaboren wird die Technik indes komplett erneuert. Damit verfügt das Uniklinikum über drei hervorragend ausgestattete OP-Säle. „Sie geben uns in enger Zusammenarbeit mit dem Team der Anästhesie die Möglichkeit, mehrere Versorgungen parallel vorzunehmen“, betont Dr. Dominique Petrus. Denn mitunter blockiert eine Mitraclip-OP ein Herzkatheterlabor für zwei Stunden oder sogar noch länger. „Viele unserer Patienten haben eine lange Historie kardiologischer Probleme und so mancher hat einen Herzschrittmacher, dessen Kabel im Operationsgebiet liegen“, erklärt der Experte. Da muss er mit seinem OP-Team besonders vorsichtig arbeiten und noch mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen.

Zentrum für Innere Medizin I Klinik für Kardiologie, Nephrologie & Pneumologie
Leitender Oberarzt
Internistische Intensivmedizin
Dr. med. Dominique Sebastian Petrus

Sekretariat:
(03381) 411500
innere.med.1@uk-brandenburg.de

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