18. Februar 2026
Lebensrettende Maschine
Für die Intensivstationen steht jetzt ein zweites ECMO-Gerät zur Verfügung
Das Herz des Patienten schlägt nach einer Wiederbelebung, aber nur sehr schwach. Oder die Lunge ist so stark geschädigt, dass sie den Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann. Das sind Fälle, in denen ein ECMO-Gerät zum Einsatz kommt. Das Kürzel steht für extrakorporale Membranoxygenierung, also die Sauerstoffanreicherung im Blut außerhalb des menschlichen Körpers. Im Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel gibt es jetzt zwei solche Geräte. Eines schon seit einigen Jahren, ein zweites ist vor einigen Wochen aus dem Uniklinikum Ruppin-Brandenburg gekommen, wo es zuletzt nicht in Benutzung war. „Es wurde technisch auf den neuesten Stand gebracht und steht unseren Patienten zur Verfügung“, sagt Dr. med. Mathias Sprenger, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Dadurch haben sich die Bedingungen für die Intensivtherapie am Uniklinikum Brandenburg an der Havel weiter verbessert. Die Geräte sind rund um die Uhr in Notfällen verfügbar.
Im ECMO-Gerät, das in den technischen Abläufen mit einer Herz-Lungen-Maschine vergleichbar ist, wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert, Kohlendioxid wird entfernt. Dann wird es in einem permanenten Kreislauf wieder zurück in den Körper gepumpt. Der Gasaustausch in der Lunge wird so ersetzt. Die primäre Funktion ist die Entlastung eines geschwächten Herzens, etwa bei Herzinsuffizienz oder einem schweren Herzinfarkt, erklärt Dr. Mathias Sprenger. Dabei wird das Blut aus einer Hauptvene entnommen, extern mit Sauerstoff angereichert und über die Hauptschlagader, also die direkt vom Herzen kommende Arterie, wieder in den Blutkreislauf des Körpers zurückgeführt. Das Herz wird auf diese Weise umgangen.
Eine zweite Variante der Nutzung des ECMO-Geräts wird bei einer Lungenschädigung angewandt. Dabei wird das venöse Blut mit O2 aufgesättigt, wieder in eine Hauptvene geleitet und durchläuft die geschädigte Lunge. „Das schadet der Lunge nicht“, sagt Dr. Mathias Sprenger. Bei einer Beatmungstherapie, wenn die Luft mit erhöhtem Druck in die Lunge gepumpt wird, kann das Lungengewebe dagegen geschädigt werden. Dann wird von einem sogenannten Barotrauma gesprochen. Das ist bei der Anwendung des ECMO-Geräts zur Lungenunterstützung nicht zu befürchten.
Im Uniklinikum steht eines der beiden ECMO-Geräte der Intensivstation der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie mit 18 Betten zur Verfügung. Das zweite wird jetzt in der internistischen Intensivstation mit zwölf Betten genutzt. Bei Bedarf können die Geräte aber auch zwischen den Stationen verlegt werden.
In der internistischen Intensivstation wird das Gerät als Lungenersatz eingesetzt, sagt deren leitender Oberarzt Dr. med. Dominique Sebastian Petrus. „Wir verfolgen zunächst eine konservative Therapie“, erläutert er. Wenn trotz Gabe von Antibiotika, Absaugen von Sekret in der Lunge und entsprechender Lagerung ein kritisches Lungenversagen festgestellt werde, würden dafür geeignete Patienten an das ECMO-Gerät angeschlossen. Bisher mussten sie dafür auf die Intensivstation der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie verlegt werden. Jetzt können sie in der Kardiologie verbleiben.
Die Geräte sind regelmäßig erfolgreich im Einsatz. Die Behandlung mit der extrakorporalen Membranoxygenierung kann über einige Tage, in Einzelfällen auch über Wochen erfolgen. „Es handelt sich um eine Notfallmaßnahme“, erklärt Dr. med. Mathias Sprenger. Wird das ECMO-Gerät etwa bei einer Herzinsuffizienz eingesetzt, wird so die Zeit bis zur Erholung der Pumpleistung oder gegebenenfalls Verlegung in ein Herzzentrum überbrückt. Bei Lungenschädigungen geht es darum, der schwer geschädigten Lunge Zeit zu verschaffen, sich ohne eine belastende Beatmung zu erholen. ECMO-Geräte können auch im Notarztwagen eingesetzt werden, um bei Notfällen schnell vor Ort helfen zu können. Angesichts der hohen Kosten für die Bereithaltung des dafür eingerichteten Autos, von Technikern, Ärzten und weiteren Spezialisten ist das in Brandenburg aber nicht geplant, so Dr. Mathias Sprenger.
Dass der Bedarf für ECMO-Geräte unter besonderen Bedingungen plötzlich hoch sein kann, hatte sich zuletzt während der Covid-Pandemie gezeigt. Damals gab es innerhalb kurzer Zeit viele Patienten mit einer schwer geschädigten Lungenfunktion, auch im Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel. Patienten mussten in dieser Zeit teilweise nach Berlin oder Bad Saarow verlegt werden. Ziel ist es, dass das in Zukunft möglichst nicht mehr notwendig ist, sagt Dr. Dominique Sebastian Petrus.