29. April 2026

Was passiert, wenn eine Beule entsteht?

Was ich schon immer wissen wollte, aber mich nie zu fragen traute …  

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt – oft unverhofft. So ist es neulich auch mir gegangen. Im Badezimmer ist mir etwas auf den Boden gefallen. Beim Hochkommen habe ich dann nicht an die geöffnete Schranktür gedacht und bin mit Wucht dagegen gestoßen. Im Spiegel konnte ich der Beule beim Wachsen zugesehen. Allerdings nur kurz, dann habe ich einen kalten Waschlappen auf den Kopf gelegt, um die Schwellung zu dämpfen.


Was da passiert, wenn eine Beule wächst, ist ein kleines Wunder der Natur. Hintergrund ist die Anatomie des Kopfes. Kein Teil des menschlichen Körpers ist ähnlich gegen Verletzungen geschützt wie das Gehirn. Rundum ist es von Knochen umgeben, allein sieben für den Hirnschädel. Umhüllt sind diese von der sogenannten Kopfschwarte, der dicksten Hautpartie des Körpers. Sie ist ein besonders widerstandsfähiger Gewebeverbund aus mehreren Schichten, die an einigen Stellen mit den Schädelknochen in Verbindung steht.


Bei einer stumpfen Verletzung am Kopf – und in ähnlicher Weise am Schienbein – kann das Blut deshalb nicht in umliegendes Gewebe sickern – wie es anderswo passiert, wenn ein Hämatom entsteht, auch Blauer Fleck genannt. Der Schädelknochen liegt ja direkt unter der Haut. Deshalb wächst der Bluterguss hier in die Höhe. Die derbe und gleichzeitig elastische Kopfschwarte gibt nach und schließt das gerinnende Blut ein. Wäre die Kopfhaut nicht so dick, würde sich eine Blaufärbung auch hier zeigen.


Die sofortige Kühlung der Wunde, etwa durch den Waschlappen, verbunden mit leichtem Druck auf die verletzte Stelle, dämpft den Schmerz und wirkt der Schwellung entgegen. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und weniger Blut fließt ins Gewebe. Aus meiner Kindheit kenne ich übrigens noch die Empfehlung, ein rohes Steak auf die Beule zu legen. Auch dabei ging es um die Kühlung. Dafür rohes Fleisch zu nehmen, ist aber aus heutiger Sicht schon aus hygienischen Gründen ziemlich problematisch. Vorsicht auch bei Verwendung eines Kühl-Pads aus dem Eisfach: Eine zu starke Gefäßverengung kann die Heilung verlangsamen. Milde Kälte wirkt da besser.


Meine Schwägerin schwört bei Blutergüssen übrigens auf Arnika-Globuli. Sie halte sonst nicht viel von Homöopathie, sagt sie – aber Arnika habe sich bewährt. Ich bin mit meinem kalten Waschlappen zufrieden – und vertraue ansonsten der Selbstheilungskraft des Körpers. Ist die Beule jedoch mit starken Schmerzen, Schwindel oder Übelkeit verbunden, sollte man sich gründlich untersuchen lassen. Es könnte zu einer Gehirnerschütterung gekommen sein.


Ihr Dr. Nikki Ulm

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