03. August 2026
„Wie meine zweite Familie“
Marion Hübner und Gerlinde Richter arbeiten seit 50 Jahren im Klinikum.
Es ist wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Nach einem Einkauf beim Bäcker raus auf die Hochstraße. Fast automatisch geht der Blick von Marion Hübner aufs Haus 5 und die Gedanken kreisen: „Da – ganz oben unter dem Dach, da habe ich gewohnt.“ Gleich nach der Ausbildung zur Krankenschwester. „Ein Zimmer hatte ich“, erzählt Marion Hübner. Und zu Gerlinde Richter sagt sie: „Du warst ja auch dort. Hattest sogar zwei Zimmer.“ „Stimmt. Wir waren ja auch zu dritt – mit Mann und Kind.“
Marion Hübner ist gelernte Kinderkrankenschwester. Gerlinde Richter ist Krankenschwester. Beide haben 1976 in der damaligen Medizinischen Fachschule am Bezirkskrankenhaus die Ausbildung begonnen. Und beide sind ihrem Beruf und auch dem Klinikum treu geblieben. 50 Jahre lang! Eigentlich sind sie schon Rentnerinnen. Eigentlich. Marion Hübner arbeitet als Minijobberin in der HNO-Ambulanz im IAZ. Gerlinde Richter arbeitet 32 Wochenstunden. Sie ist nach wie vor die Leiterin der gynäkologischen Station 2.2 und arbeitet zudem im gynäkologischen MVZ im Haus 6. Dort kümmert sie sich um die Patientinnen, die zur Chemotherapie kommen. „Ich seh die Patientinnen immer wieder, begleite sie über einen längeren Zeitraum – und sie freuen sich auch, wenn sie bekannte Gesichter sehen“, sagt Gerlinde Richter. Der stete Kontakt sei das Gute am Praxis-Alltag.
Von dieser Verbundenheit berichtet auch Marion Hübner. Auch zu ihr in die HNO-Ambulanz kommen Tumorpatienten. Ein Händedruck. Eine kurze Umarmung. Und dieser Satz, den schon so viele Patienten der Krankenschwester gesagt haben: „Es ist schön, dass Sie immer noch da sind.“
„50 Jahre – so lange ist heute niemand mehr an einem Ort“, meint Gerlinde Richter. Die Zeiten würden immer unpersönlicher werden. Leider. Schwester Gerlinde, die schon ihr ganzes Berufsleben lang in der Gynäkologie arbeitet, betreut eine Art Gegenentwurf zur Unpersönlichkeit: Einmal im Monat treffen sich Frauen zur „Gesprächsrunde für Krebspatientinnen“. Das sind Frauen, die die Erkrankung überstanden haben und ihre Lebenserfahrungen miteinander teilen. Vor 20 Jahren entstand die Idee zu diesem regelmäßigen Treffen.
Schwester Gerlinde und Schwester Marion sind 66 Jahre alt. Einen Plan zum Berufsausstieg haben sie nicht. „Wir denken nicht ans Aufhören“, meint Marion Hübner lächelnd. Gerlinde Richter hat ihren Kollegen versprochen, dass sie „mindestens bis Ende des Jahres“ an Bord bleiben wird. „Aber wer weiß schon, was im nächsten Jahr wird …“ Und so ganz ohne Arbeit? Ob das geht? „Wir lernen immer was Neues dazu“, sagt Marion Hübner. Wenn sie ein paar Tage nicht da war, sind ihre ersten Fragen an die Kollegen in der HNO-Ambulanz: „Gibt es was Neues? Muss ich was wissen?“ Umgekehrt profitieren die jungen Schwestern von den Erfahrungen der „alten Hasen“.
Für Marion Hübner sind die Kolleginnen und Kollegen „wie meine zweite Familie“. Wenn sie sich nach einem Arbeitstag verabschiedet, kommt nach dem „Tschüss!“ gleich die Frage: „Bist du morgen wieder da?“
Gerlinde Richter könnte am Uniklinikum sogar ein kleines Familientreffen einberufen: Ihre beiden Töchter arbeiten am Klinikum. Genauso wie eine der Schwestern von Gerlinde Richter. Die zweite Schwester war bis zum Renteneintritt am Uniklinikum tätig.