Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie & -urologie
Halsfisteln und Halszysten bei Kindern – was steckt dahinter?
Halsfisteln und Halszysten sind angeborene Fehlbildungen, die bei Kindern relativ häufig vorkommen. Sie entstehen durch Rückbildungsstörungen im frühen Mutterleib. Obwohl sie meist harmlos sind, können sie sich entzünden und sollten operativ entfernt werden.
Was sind Halsfisteln und Halszysten?
Halsfisteln sind kleine, schlauchartige Gänge im Halsbereich, die von der Haut nach innen verlaufen. Halszysten sind geschlossene Flüssigkeitsräume ohne Verbindung nach außen. Beide entstehen bereits vor der Geburt – entweder seitlich am Hals (laterale Fisteln) oder in der Mitte des Halses (mediane Fisteln), meist in der Nähe des Kehlkopfes oder unter dem Kinn. Die häufigste Ursache für eine mediane Halsfistel ist ein nicht vollständig zurückgebildeter Gang, der während der Entwicklung der Schilddrüse entsteht. Seitliche Fisteln entstehen aus sogenannten Kiemenbögen – Strukturen, die sich normalerweise im Mutterleib vollständig zurückbilden
Welche Symptome treten auf?
Oft werden Halsfisteln oder -zysten zufällig entdeckt. Typisch ist eine kleine Öffnung oder ein Knoten am Hals, aus dem gelegentlich Flüssigkeit austritt. Wenn sich die Fistel entzündet, kommt es zu Rötung, Schwellung und Schmerzen. Auch Fieber ist möglich. Eine Zyste kann sich ebenfalls entzünden und als tastbare Schwellung auffallen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Meist genügt ein erfahrener Blick, um die Diagnose zu stellen. Bei Zysten hilft eine Ultraschalluntersuchung, um die genaue Lage und Größe zu erkennen und andere Erkrankungen wie ein Lymphangiom auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT sind selten nötig, da die feinen Gänge nur schwer sichtbar sind. Wichtig ist: Nach einer Entzündung kann die Diagnostik schwieriger sein, weil sich Narben bilden.
Wann und wie wird operiert?
Sobald die Diagnose feststeht, wird die Entfernung empfohlen – möglichst vor der ersten Entzündung. Denn je früher die Operation erfolgt, desto geringer ist das Risiko eines Rückfalls. Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Bei medianen Fisteln wird häufig ein kleiner Knochenanteil mit entfernt, durch den der Fistelgang verläuft – dies nennt man Sistrunk-Operation. Auch bei seitlichen Fisteln ist eine vollständige Entfernung entscheidend, oft über mehrere kleine Schnitte.
Nach einer Entzündung wird zunächst mit Antibiotika behandelt. Erst nach Abheilung wird operiert. In seltenen Fällen muss zuvor ein Abszess entlastet werden.
Ihr nächster Schritt:
Wenn Sie bei Ihrem Kind eine kleine Öffnung, Schwellung oder einen Knoten am Hals entdecken, lassen Sie das bitte von einer Kinderärztin oder einem Kinderchirurgen abklären. Eine frühzeitige Behandlung beugt Infektionen vor und sorgt für eine vollständige Heilung. Unsere kinderchirurgischen Spezialistinnen und Spezialisten beraten Sie gern und erklären alle Schritte verständlich.