Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie & -urologie
Gastroschisis – Offener Bauchwandbruch bei Neugeborenen
Bei einer Gastroschisis handelt es sich um eine angeborene Bauchwandfehlbildung. Dabei treten Teile des Darms durch eine Lücke in der Bauchwand nach außen – meist rechts neben dem Bauchnabel. Anders als bei der Omphalozele sind die Organe hier nicht von einem schützenden Häutchen umgeben, sondern liegen frei. Die Erkrankung ist sofort nach der Geburt sichtbar oder kann schon vor der Geburt im Ultraschall erkannt werden.
Wie entsteht eine Gastroschisis?
Warum genau sich eine Gastroschisis entwickelt, ist bisher nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass bestimmte Einflüsse in der frühen Schwangerschaft eine Rolle spielen. Dazu gehören der Konsum von Alkohol, Nikotin oder Drogen, Infektionen sowie ein sehr junges Alter der Mutter. Anders als bei der Omphalozele treten selten weitere Fehlbildungen auf.
Wie erkennt man die Erkrankung?
Die Diagnose wird häufig schon bei der vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchung gestellt. Nach der Geburt zeigt sich die Erkrankung deutlich: Teile des Darms liegen außerhalb des Körpers, ohne vom Bauchfell oder einer schützenden Haut bedeckt zu sein. Das macht die Behandlung besonders dringlich.
Wie wird eine Gastroschisis bei uns behandelt?
In unserer kinderchirurgischen Klinik beginnt die Versorgung direkt nach der Geburt. Die freiliegenden Bauchorgane werden vorsichtig mit feuchten, sterilen Tüchern bedeckt und in einen durchsichtigen Kunststoffbeutel gelegt. Das schützt vor Austrocknung und Infektionen. Gleichzeitig erhält das Neugeborene über eine Magensonde Nahrungspause und Flüssigkeit sowie Medikamente über eine Infusion. Ein Antibiotikum wird zur Vorbeugung von Infektionen verabreicht.
Sobald das Kind stabil ist – insbesondere wenn die Urinausscheidung funktioniert und der Kreislauf ausgeglichen ist – erfolgt der operative Verschluss der Bauchdecke. In etwa 80 % der Fälle ist ein vollständiger Verschluss in einer einzigen Operation möglich. Bei größeren Defekten erfolgt die Rückverlagerung der Organe schrittweise, mithilfe spezieller Kunststoffbeutel oder Kunststoffpflaster. Unser Team überwacht dabei sorgfältig Atmung, Kreislauf und Organfunktion.
Wie sind die Aussichten?
Die Überlebenschance bei Gastroschisis liegt heute bei über 90 %. Allerdings braucht es Geduld: Bis der Darm richtig arbeitet und das Kind selbst trinken kann, vergehen oft mehrere Wochen. Mögliche Spätfolgen sind ein Kurzdarmsyndrom oder Entzündungen des Darms. Jungen können zusätzlich einen Hodenhochstand entwickeln, der später behandelt wird.
Ihr nächster Schritt
Die Diagnose Gastroschisis kann Eltern zunächst verunsichern. Doch mit schneller, spezialisierter Hilfe stehen die Chancen für Ihr Kind sehr gut. In unserer kinderchirurgischen Klinik bieten wir eine umfassende Versorgung – von der Geburt über die Operation bis hin zur Nachsorge. Wichtig ist eine frühe Planung gemeinsam mit Ihrem Geburtsteam.