30. Januar 2026
Herzens-Schwester
Stefanie Baum ist Cardiolotsin am Universitätsklinikum
„Das ist mein Herz“, sagt Stefanie Baum und deutet auf ein überdimensionales Herzmodell. „Das habe ich dem Chef abgeluchst“, erzählt sie schmunzelnd. Ihr Chef ist Univ.-Prof. Dr. med. Oliver Ritter, Direktor der Klinik für Kardiologie, Nephrologie und Pneumologie am Universitätsklinikum. Stefanie Baum ist eine von drei Cardiolotsinnen am Uniklinikum, die sich um das Wohl von Herzpatienten kümmern.
Stefanie Baum und ihre Kolleginnen Saskia Steinbeiß sowie Franziska Schenk lotsen Patienten zu einem möglichst gesunden Leben in der Zeit nach einem Klinikaufenthalt. „Wir telefonieren regelmäßig mit den Patienten und fragen, wie sie sich fühlen, ob sie ihre Termine beim Hausarzt und bei Fachärzten wahrgenommen haben, ob sie ihre Medikamente wie geplant einnehmen“, erklärt Stefanie Baum. Sie ist auch dann Ansprechpartnerin, wenn sich ein Patient entschließt, mit dem Rauchen aufzuhören oder seine Ernährung umzustellen oder Herzsport zu machen. Die Cardiolotsinnen geben gern Tipps, vermitteln Kontakte zu Sportgruppen und nehmen sich die Zeit, einfach zuzuhören. Für die 43-jährige Stefanie Baum ist der Kontakt zum Patienten das Wichtigste in ihrem Job. Und der baue sich auch durch regelmäßige Telefonate auf, sagt sie.
Cardiolotsen sind medizinische Fachkräfte mit einer besonderen Qualifizierung. Die gebürtige Brandenburgerin Stefanie Baum ist gelernte Krankenschwester. Sie hat unter anderem in der Akutpsychiatrie in Berlin und in der Rettungsstelle in Brandenburg an der Havel gearbeitet. Vor mehr als zehn Jahren fing sie in der sogenannten Chest-Pain-Unit an. Auf dieser Station werden Patienten mit akuten Schmerzen in der Brust behandelt. Eine Tätigkeit mit viel Stress, aber auch vielen schönen Momenten, wenn Patienten wieder ins Leben zurückgeholt werden können. Die Entscheidung für die Kardiologie habe sie tatsächlich aus dem Herzen heraus getroffen, sagt die Krankenschwester. Sie hat zudem eine Qualifizierung zur „Heart Failure Nurse“ gemacht, die sich speziell um Patienten mit Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, kümmert. Für ihre jetzige Tätigkeit als Cardiolotsin war noch einmal eine Fortbildung nötig.
Wenn Patienten beispielsweise mit einem Herzinfarkt, mit Vorhofflimmern oder aber wegen einer Herzinsuffizienz ins Uniklinikum kommen, nimmt das Team der Cardiolotsinnen um Stefanie Baum Kontakt mit ihnen auf – sobald es möglich ist. Sie stellen das Cardiolotsen-Programm vor und fragen, ob ein Patient daran teilnehmen möchte. Voraussetzung dafür ist, dass er zumindest eine Nacht im Uniklinikum verbracht hat und bei der AOK Nordost versichert ist. Denn das Programm wurde ursprünglich von der AOK Nordost und der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH entwickelt. Das Uniklinikum in Brandenburg an der Havel ist die erste Klinik im Land Brandenburg, die Cardiolotsen für Herzkranke bereithält. Patienten, die die Unterstützung durch Cardiolotsen in Anspruch nehmen möchten, werden ein Jahr lang in regelmäßigen Abständen von den Fachkräften kontaktiert. Ziel ist es, die Gesundheit der Patienten zu stärken und die Anzahl eventueller weiterer Klinikaufenthalte zu reduzieren. „Wir sind überzeugt, dass dieses Konzept gerade auch Patientinnen und Patienten aus dünn besiedelten ländlichen Regionen zugutekommt, die oftmals einen erschwerten Zugang zu Angeboten der Gesundheitsversorgung und -vorsorge haben“, betont der Chefarzt der Kardiologie, Univ.-Prof. Dr. Oliver Ritter. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hier insbesondere die Herzinsuffizienz würden eine sehr engmaschige Nachbetreuung und Anpassung der Therapie benötigen. „Und durch die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen stärkt das Programm auch die Vernetzung zwischen dem ambulanten und dem stationären Versorgungsbereich“, so der Chefarzt.
Wenn Stefanie Baum gerade nicht als Cardiolotsin gefragt ist, betreut sie als Studienschwester Herzpatienten, die an Studien teilnehmen. Bei Bedarf hilft sie auch in der kardiologischen Hochschulambulanz aus. „Meine Aufgaben sind sehr abwechslungsreich“, sagt sie. Dabei liegt ihr eines ganz besonders am Herzen: Zeit für Patienten zu haben. Für ihre Sorgen, ihre Fragen, ihre Bedürfnisse.